Invisible Violence

14.02.–10.04.2015 Salzburger-kunstverein

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Eröffnung: Fr, 13. Februar 2015, 20 Uhr

Thematische Vorträge zu „Invisible Violence“ am 18. März, 19 Uhr

Künstler_innen in Salzburg:
Kader Attia (FR), Itziar Barrio (ES), Ursula Biemann (CH), Rossella Biscotti (IT/NL) & Kevin van Braak (NL), Sarah Browne (IE), Declan Clarke (IE), Willie Doherty (IE/UK), Eva Engelbert (AT) & Katharina Schniebs (DE/AT), Harun Farocki (DE), Daniel García Andújar (ES), Eva Grubinger (AT), Dejan Kaludjerović (RS/AT), Vladimir Miladinović (RS), Locky Morris (UK/IE), Adrian Paci (AL/IT), Christodoulos Panayiotou (CY), Garrett Phelan (IE), Nikola Radić Lucati (RS), María Ruido (ES), Francesc Ruiz (ES)

„Invisible Violence“ ist ein multidisziplinäres Projekt, das von Zoran Erić, Séamus Kealy und Blanca de la Torre kuratiert und in Artium, dem Baskischen Museumszentrum für zeitgenössische Kunst in Vitoria-Gasteiz, Spanien, dem Museum für zeitgenössische Kunst in Belgrad, Serbien und dem Salzburger Kunstverein in Österreich präsentiert wird. Der ursprüngliche geopolitische Kontext dieses Projekts war ein europäisches Dreieck bestehend aus der Region des Baskenlandes, Irland (vor allem Nordirland) und Serbien – alle drei mit dem Stereotyp von Gewalt und Terror behaftet. Dieser gemeinsame Nenner und diese Konstellation bildeten den Hintergrund des Projekts, das nunmehr um österreichische und breitere europäische Kontexte erweitert wurde.

Die Ausstellung befasst sich mit sogenannter unsichtbarer Gewalt, wie sie global im alltäglichen und häuslichen Kontext, im Arbeitsbereich und im Lebensalltag erkennbar ist. Dazu gehören administrative und bürokratische Gewalt, Formen visueller Gewalt in den Medien, sowie subtile Formen von Sektierertum und kollektiver Feindseligkeit in jüngst vergangenen und gegenwärtigen soziopolitischen Umständen. Diese Aspekte von Gewalt werden durch die Zusammenstellung von Werken, die territoriale, nationalistische, mythologische Themen sowie Fragen der Identität problematisieren, untersucht. Insgesamt strebt das Projekt danach, sich nicht in abgegrenzten oder gegensätzlichen Darstellungen zu verzetteln.

Thematisch befasst sich das Projekt mit einigen wichtigen und sensiblen Aspekten der Herstellung neuer europäischer Identitäten. Indem es die öffentliche Debatte über unsichtbare Gewalt in verschiedenen Ecken Europas fördert, betont das Projekt die Notwendigkeit, eine gemeinsame öffentliche, europäische Sphäre herzustellen und essentielle Ideen einer europäischen Identität und Staatsangehörigkeit neu zu überdenken – und damit die EU von innen heraus zu beleuchten.

Man könnte behaupten, dass wir uns heute in einer Situation befinden, in der neue Gesetze, Gesetzgebung und zwischenstaatliche Abkommen innerhalb der EU zu neuen Typen von Gewalt führen. Das gegenwärtig verhandelte TTIP-Abkommen (Transatlantic Trade & Investment Partnership), das zwischen der Europäischen Union, Kanada und den Vereinigten Staaten ausgehandelt wird, ist ein Beispiel, das radikal unterstreicht, wie die Diktate von Regierungen und Industrie den Bürger_innen aufgedrängt werden. Damit verwandt sind aktuelle Themen wie der Ausschluss verarmter und marginalisierter Bevölkerungsteile in Europa inklusive der Gewalt, die ihnen aufgrund ihrer Andersartigkeit angetan wird (vor allem Immigrant_innen) und die von Theoretikern wie Bertrand Ogilvie als System definiert wurde, das zur Produktion von „wegwerfbaren Menschen“ (l’homme jetable) führt. Étienne Balibar geht noch weiter mit der Frage, ob es einen neuen Typus europäischer Apartheid gibt, der mithilfe neuer Formen restriktiver und exklusiver Gesetzgebung entsteht. Als Gegenwehr beschreibt er die Notwendigkeit einer gemeinsamen, öffentlichen europäischen Sphäre, in der neue Identitäten europäischer Staatsangehörigkeit geschaffen werden und deren Ideen in jeder Ecke Europas, bis an alle Ränder und Grenzen gleichermaßen diskutiert werden sollten.

Insgesamt versucht dieses Projekt, eine solche Sphäre zu formen und dabei universalisierte Aspekte neuer Formen unsichtbarer Gewalt herauszustellen, die momentan in ganz Europa dominieren – Formen der Gewalt, die als zentrale Bedrohung für die Herstellung egalitärer Ideale der europäischen Staatsbürgerschaft gesehen werden. Vor dem Hintergrund dieser Erwägungen ist es daher entscheidend, die Hürden der Spaltung und des Separatismus zu überwinden, die gegenwärtig in Diskursen über Identitätspolitik und kulturelle Unterschiede innerhalb bestimmter Ethnien in Europa generiert werden.

Natürlich ist Gewalt als Ausstellungsgegenstand ein sensibles und möglicherweise provokantes Thema, das auch zu manichäischen Definitionen wie „wir gegen die anderen“ führen kann. Daher ist es ein Anliegen der Kuratoren_innen, den Fokus nicht übermäßig auf Themen des Kriegs, Genozids und extremer Gewalt zu legen, obwohl sie einen spürbaren, wenn auch unsichtbaren Hintergrund des Projekts bilden. Die Gewalt, um die es hauptsächlich geht – und die in den Werken der eingeladenen Künstler_innen abgebildet oder erforscht wird – sind Formen der Gewalt innerhalb der Sprache und der Repräsentation. Diese sind ein Resultat sich verändernder sozioökonomischer Bedingungen, Ideen und politischer Strategien, in denen kulturelle Gewalt gegen geopolitische Gruppen und Individuen besonders sichtbar wird. Die Ausstellung wird verschiedene Schlaglichter auf unterschiedliche Formen kultureller und zeitgenössischer Gewalt werfen und soll nicht von aktuellen und ausgeprägten Formen von Gewalt (Terrorismus, Krieg, ethnische Säuberungen und Genozid) dominiert werden.

Kurator_innen: Zoran Erić, Séamus Kealy, Blanca de la Torre

In Kooperation mit Artium, Basque Museum-Centre of Contemporary Art, Vitoria-Gasteiz und demMuseum of Contemporary Art, Belgrad

Mit freundlicher Unterstützung des British Council,Culture Ireland und AC/E, Spain.

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